Wie Riedlingen in der "guten alten Zeit" ausgesehen
hat, zeigen bis zum 28. Juni 40 Ölbilder und Aquarelle in der
Städtischen Galerie am Wochenmarkt. Vergangenen Freitag wurde die
Ausstellung von Reinhard Meis in Riedlingen eröffnet.
RIEDLINGEN (sz)
Die Bilder sind lauter Originale. Reinhard Meis aus Wuppertal, im
Ruhestand lebender Leitender Ministerialrat Nordrhein-Westfalens, hat
die Stadt an der Donau mit liebevoller Hand als den Ort gemalt, aus dem
die Familie seiner Mutter stammt.
Mit Ehefrau Marlies und seinem
Wohnmobil tourt Reinhard Meis durch die Lande und peilt als nächstes
Reiseziel Russland an. In Riedlingen hat er schon seine Spuren
hinterlassen, indem er mit Beharrlichkeit die Einrichtung eines
Stellplatzes für diese Wohnmobile auf dem Stadthallenplatz auf den Weg
gebracht hat.
Diesen Vorgang schilderte Bürgermeister Hans
Petermann in seinem Grußwort, in dem er auch die Funktion des Malers im
bürgerlichen Leben verriet. Dem Altertumsvereinsvorsitzenden Winfried
Aßfalg und seiner Museumsmannschaft dankte das Stadtoberhaupt für
Engagement und Ideen: "Sie haben wieder interessante Verbindungen
geknüpft." Dass die Stadt Unterstützung leistet und für Kunstschaffende
etwas übrig hat, unterstrich Petermann mit der Ankündigung, dass im
restaurierten "Lichtenstein", dem mittelalterlichen Haus über der
Donau, die Wohnungen künftig für Kulturschaffende zur Verfügung
gestellt werden. So lud er das Ehepaar Meis als Dank für die
geschenkten Bilder zur nächsten Fasnet ein, eine Woche im
"Lichtenstein" zu wohnen. Sämtliche Bilder von Riedlingen nämlich
schenkte Meis dem Altertumsverein. Sie können gekauft werden, und der
Erlös kommt dem Verein zugute.
Vorsitzender Aßfalg erzählte, wie
die "interessante Verbindung" zustande kam: Auf der Wohnmobilreise in
den Süden Europas suchte das Ehepaar Meis 2003 gezielt Riedlingen auf
und wandelte auf den Spuren der am 7. Oktober 1889 geborenen Hedwig
Brand und ihres Vaters Apotheker Gottlob Brand, der die einstige
Apotheke am Marktplatz führte.
Brand war ein Tausendsassa
Apotheker Brand war ein
Tausendsassa, erster Fotograf in Riedlingen, Aktivist im Theaterverein,
Mitglied der Feuerwehr, Stifter eines TSV-Pokals, der heute im
Stadtmuseum "Schöne Stiege" prunkt. Hedwig heiratete Max Meis und wurde
1927 Reinhards Mutter. Sie schilderte ihrem Sohn die Stadt ihrer
Kindheit so lebendig, dass er ein "erinnertes Riedlingen" malen musste.
Im Alter erblindete Hedwig Meis und sprach ihre Erinnerungen an die
Begebenheiten bis zur Jahrhundertwende auf Tonträger. Dazu kamen die
Fotos des Großvaters: Erste Ablichtung eines Gallusmarktes und viele
Marktplatzbilder mit dem Fachwerkhaus der Apotheke im Blickfeld,
Partien an der Donau mit Gärten und Ruderbooten und Theateraufführungen
im heutigen Kino. Und vor allem eine 1906 gut ins Bild gerückte Hedwig
im Sonntagsstaat. Um 1900 zog die Familie nach Schorndorf. Aber
Riedlingen blieb in so schöner Erinnerung, dass eine künstlerisch
hinreißende Bilderschau entstand.