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Reinhard Meis - 4

 
Reinhard Meis - Seite 1
Reinhard Meis - Seite 2
Reinhard Meis - Seite 3
Reinhard Meis - Seite 4


Kaplaneihaus, vom Steinbruch aus


frühere Sägmühle


Veitstraße - Zwiefalter Strasse


Schlittschuhläufer


Blick auf die Weiler-Vorstadt


das heutige Museum Die schöne Stiege


Donau mit Bade-Stegen



Weiler Straße
Albbote vom 26.05.2009

Die Stadt um 1900 in Wort und Bild
Vernissage mit Kindheitsschilderungen der Mutter des Künstlers

Die Eröffnung der Ausstellung "Riedlinger Reminiszenen" gestattete mit Bildern von Reinhard Meis einen Blick in die Stadt um 1900. Seine Mutter hatte ihre Erinnerungen einst auch auf Band gesprochen.

WALTRAUD WOLF

Vernissage: Meis mit Gerda Sorger
Marlis und Reinhard Meis mit der Riedlinger Malerin Gerda Sorger bei der Ausstellungseröffnung in der Städtischen Galerie.
Foto: Waltraud Wolf
Riedlingen  Verbunden mit der Ausstellungseröffnung in der Städtischen Galerie waren von Reinhard Meis vorgetragene Erinnerungen seiner Mutter Hedwig, die die Zeit von damals lebendig werden ließen. Jenen, die bei der Vernissage nicht anwesend waren, bleibt der Trost, dass die Ausstellung noch bis 28. Juni in der Städtischen Galerie zu sehen ist und die Aussicht auf die Jahresgabe des Altertumsvereins im Jahr 2010. Dessen Vorsitzender Winfried Aßfalg will die Erinnerungen Hedwig Meis in einem Büchlein herausbringen, illustriert mit einigen Bildern des Sohnes.
Den Erlös stellt er dem Museum zur Verfügung.
 
Aßfalg wies in seiner Begrüßung auf die erste Kontaktaufnahme Reinhard Meis hin. Sie betraf Fotos aus dem Familienschatz, gemacht von Meis Großvater Gottlob Brand, dem Apotheker und ersten Fotografen der Stadt. Einen Eindruck davon zeigte Aßfalg: Stadtansichten um 1900 mit der Apotheke, dem Mühltörle und dem "Vollmergarten", das erste Gallusmarktfoto von 1899, die "Schöne Stiege" als heutiges Domizil des Museums, die Fasnet, eine
Theateraufführung, Brand als Stabsapotheker.
Fotos von Hedwig Brand als Kind und als hübsche Frau gaben der Erzählerin ein Gesicht.
 
Reinhard Meis gestand in seiner Einführung: "Riedlingen ist seit meiner frühen Kindheit meine heimliche Hauptstadt", begründet durch die Schilderungen seiner Mutter für ihn und seinen Bruder. "Die Wärme ihrer Erzählungen prägte sich uns Jungen ein." Als "aufregend", aber auch tief beeindruckend schilderte er einen Besuch mit Eltern und Großeltern 1931 in Riedlingen. Der damals Vierjährige war nicht zuletzt fasziniert von dem "Gole" und allem was zu ihm gehört. Die Geschichten seiner Mutter, die sie - mit 70 Jahren erblindet - auf Tonband gesprochen hat, habe er beim Malen der Bilder oft vor Augen gehabt. Detailliert berichtete sie von einem Streich zu Besuch weilender Studenten, die statt der Lampe einen schwarzen Kater in das Laternengehäuse auf dem Marktplatz setzten, der in seinem Gefängnis einen Höllenlärm veranstaltete und die ganze Stadt in Aufruhr brachte. Wie die Köchin aus erbetener Gerste Malzbonbons herstellte, ist zu erfahren, und die Freundlichkeit des Kaufmanns Angelo Grasselli, der sie in seinem Turm mit ihren Puppen spielen ließ.
 
Schon damals gefürchtet war das Donauhochwasser. Im Frühjahr 1899 ereilte es Riedlingen. Hütten, Scheunen, Ställe kamen die Donau herunter, Schweinekoben mit ertrunkenen Schweinen und auch ein Kinderwagen, an dessen Stange sich ein alter Mann festgeklammert hatte, obwohl er bereits ertrunken war, begegneten den Helfern. In dem Kinderwagen lag noch ein Säugling, der gerettet werden konnte. Hedwigs Vater war auch Feuerwehrkommandant und musste deshalb eilends aus dem Haus, wenn der Nachtwächter das Feuerhorn blies. Da seine Uniform offensichtlich am falschen Platz hing, rannte er schließlich in der Frackhose an den Einsatzort.
 
An ihrem zehnten Geburtstag 1899 eröffneten ihr die Eltern , dass die Apotheke verkauft sei und die Familie zum 1. Januar nach Schorndorf ziehen werde. Die Begründung des Vaters: Riedlingen biete für die Mädchen keine weiterführende Schule. Hedwig schmerzte der Abschied: "Riedlingen war doch mein Zuhause."
 
Bürgermeister Petermann schrieb es der gut erhaltenen Altstadt zu, dass man die Schilderungen so lebendig empfunden habe und erinnerte an den früheren Landrat Karl-Anton Maier, der für den Landkreis Saulgau, aber auch privat, historische Gebäude gekauft habe, um sie zu erhalten.
 
Info:
 
Die Ausstellung in der Städtischen Galerie ist bis 28. Juni freitags und samstags von 15 bis 17 Uhr und sonntags von 14 bis 17 Uhr zu sehen.
 

Blick zur Weilerkapelle         Weilerstraße       alle Fotos der Bilder Meis:   © Winfried Aßfalg
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