![]() |
|
|
| |
Kennen Sie die Dame
im Hintergrund?
|
Wenn nein, dann haben Sie einen früheren Hundert-Mark-Schein
nie richtig angeschaut. (Er war
allerdings
von der Farbe her im Original etwas anders. Die Dame auch.) Und noch ein Tip: Wenn Sie den Hundert-Markschein je einmal umgedreht haben, sahen Sie ein Klavier, das dieser Dame gehört hat. Was es damit auf sich hat und wie dies mit Riedlingen zusammenhängt, das können Sie hier lesen: Ein Bericht von Winfried Aßfalg |
|
fast ein Krimi
Clara
Wieck, berühmte Pianistin
des vor-vergangenen Jahrhunderts (1819 -1896) und besser bekannt unter
ihrem
Namen Clara Schumann, grüßte lange Zeit vom ehemaligen
deutschen Hundertmarkschein. Zugegeben! Der Zusammenhang
zwischen
der großen Pianistin und dem kleinen Donaustädtchen besteht
nur indirekt. Aber Riedlingen war immer schon Heimat zahlreicher
namhafter Künstler aus verschiedenen Jahrhunderten.
|
||
| Hinweis des Webmasters: Sie finden unten
eine email, die diese Angaben korrigiert: Nicht zur Hochzeit - diese
war 1840 - sondern
bereits 1838 erhielt sie von Conrad Graf als
"Souvenir" an ihren Wien-Aufenthalt einen Flügel geschenkt. Doch
zurück zu unserem Mann: |
||
|
Conrad Graf
Dorthin wenigstens mußte 1801 dem nunmehr 19-jährigen Graf Geld aus seinem Erbe geschickt werden, da er »während seiner Dienstzeit größtenteils von Kleidung gekommen« war«. In Wien fand er als Instrumentenbauer Arbeit bei einem Landsmann und lernte dort, Klaviere herzustellen. 1804 heiratete C. Graf die Witwe seines Lehrmeisters und übernahm dessen Betrieb. |
||
| Die Qualität seiner
Hammerklaviere
überzeugte. 1822 durfte er als Wiener Bürger in der
Hauptstadt
seinen Betrieb auf- und ausbauen und bereits zwei Jahre später den
Titel »kaiserlich königlicher Hof-Pianoforte und
Klaviermacher«
führen. In alle Appartements der kaiserlichen Hofburg und in jene
der Regentenfamilie lieferte Graf seine Klaviere.
Kein Wunder, daß auch die
damals
in Wien ansässigen oder konzertierenden Komponisten und Pianisten
Kontakt zu ihm suchten. Beethoven, Clara und Robert Schumann, Liszt und
Chopin wurden Grafs Kunden. Franz Liszt gastierte 1838 im Atelier des
gebürtigen
Riedlingers gar mit einem Konzert. Unter den Zuhörerinnen
saß
auch Clara Wieck. Chopin schrieb an einen Freund: »Ich gehe jeden
Tag zu Graf und spiele.« Lange Jahre haben wir geglaubt,
dass dieses Graf-Klavier auf der Rückseite des
Hundert-Mark-Scheins abgebildet war. Da erhielten wir vor kurzem
nachstehende email: |
||
|
Hallo,
bin
gerade per Zufall auf den Text zu Clara Schumann und Conrad Graf
gestoßen, der an sich zwar recht interessant ist, aber einen
eklatanten Fehler
enthält: Der
auf der Rückseite des 100-DM-Scheins abgebildete Flügel
stammt keineswegs
von Conrad Graf, sondern von dem Wiener Klavierbauer Andreas
Matthäus
STEIN, um 1825 gebaut. Das originale Instrument ist im Robert-Schumann-Haus
Zwickau zu bewundern. Hören kann man es auch auf CD-Aufnahmen. |
| Das, gnädige
Frau, ist ja interessant, aber - verzeihen Sie - nicht logisch. Wenn
der Zwickauer Flügel nur 3 Pedale besitzt (was ich Ihnen glaube),
muss der Flügel auf der Banknote - mit 4 Pedalen - doch wohl ein
anderer sein, oder nicht? Am Ende doch der von Conrad Graf? Wissen tut's nur die Bundesbank, und die schweigt dazu... Da erhielten wir eine zweite email, die weitere interessante Details enthält: |
|
Sehr geehrter Herr Aßfalg,
Ihr Engagement für Riedlingen und Conrad Graf in allen Ehren - aber der Flügel auf dem 100-DM-Schein war nun einmal der von A. M. Stein ca. 1825 gebaute, von Friedrich Wieck 1828 für seine Tochter gekaufte, auf dem sie im Oktober 1828 im Leipziger Gewandhaus debütierte und der sich heute im Robert-Schumann-Haus Zwickau befindet. ... Der Clara Wieck 1838 (und nicht zur Hochzeit [1840]!) von Conrad Graf als "Souvenir" an ihren Wien-Aufenthalt geschenkte Flügel, der später vorwiegend von Robert Schumann benutzt wurde und nach dessen Tode an Johannes Brahms überging, hat mit dem Stein-Flügel äußerlich gar keine Ähnlichkeit. Er ist in meiner Ausgabe der Schumann-Tagebücher, Bd. II, Leipzig 1987, abgebildet, und ich habe ihn im Original in der Neuen Hofburg Wien gesehen. Es wäre wünschenswert, den Hinweis auf den 100-DM-Schein im Zusammenhang mit Conrad Graf und dessen Instrumenten (die zweifellos eine gewisse Zeit lang von Clara Wieck favorisiert wurden) zu tilgen, um nicht Verwirrung unter dem interessierten Musikpublikum zu stiften. Dies empfiehlt Ihnen mit freundlichen Grüßen Dr. phil. Gerd Nauhaus, Wissenschaftlicher Sekretär der Robert-Schumann-Gesellschaft Zwickau e.V. |
||
| Lieber Besucher unserer Homepage und
unserer Seite über Konrad Graf: Wir wollen Sie nicht verwirren,
beileibe nicht! Sondern wir wollen Ihnen von unserem Riedlingen und seinen Künstlern berichten. Aber: wir empfehlen Ihnen - besuchen Sie das Robert-Schumann-Haus in Zwickau, und auch noch die Neue Hofburg in Wien. Schauen Sie sich genau um und teilen Sie uns mit, wieviele Pedale die beiden Flügel haben. Oder machen Sie gleich ein Foto - wenigstens von den Pedalen. Vielleicht tragen dann Sie dazu bei, dass wir endlich erfahren, welcher Flügel auf unserem ehemaligen "Blauen", dem 100-DM-Schein abgebildet war. Am Ende war es nur einer aus einem Bildarchiv des Kupferstechers. Aber auf alle Fälle: mit 4 Pedalen. Wer weiß es - außer der Bundesbank? Und die schweigt noch immer. |
||
| Copyright © AUG 2006 Ekke Wall |
|