Die Schöne Clara und ihr Klavier
 

Kennen Sie die Dame im Hintergrund?
 
 
 
 

 

Wenn nein, dann haben Sie einen früheren Hundert-Mark-Schein nie richtig angeschaut. (Er war allerdings von der Farbe her im Original etwas anders. 
Die Dame auch.
)
Und noch ein Tip: 
Wenn Sie den Hundert-Markschein je einmal umgedreht haben, sahen Sie ein Klavier, das dieser Dame gehört hat. Was es damit auf sich hat und wie dies mit
Riedlingen zusammenhängt, das können Sie hier lesen:
Ein Bericht von Winfried Aßfalg


 




Die schöne Clara,
und vor allem:

ihr Klavier

fast ein Krimi








Clara Wieck, berühmte Pianistin des vor-vergangenen Jahrhunderts (1819 -1896) und besser bekannt unter ihrem Namen Clara Schumann, grüßte lange Zeit vom ehemaligen deutschen Hundertmarkschein.
Doch was hat dies mit Riedlingen zu tun?

Zugegeben! Der Zusammenhang zwischen der großen Pianistin und dem kleinen Donaustädtchen besteht nur indirekt.  Aber Riedlingen war immer schon Heimat zahlreicher namhafter Künstler aus verschiedenen Jahrhunderten.
Einer davon hieß Conrad Graf.
Von ihm stammte eines der Klaviere Clara Wiecks, mit denen sie einst berühmt wurde. Und es war eines von nur zwei Instrumenten, das der Klavierbauer Graf überhaupt verschenkte.
Alle anderen verkaufte er, und dies nicht billig.

Sie bekam es 1839 anläßlich ihrer Hochzeit mit dem Komponisten Robert Schumann, das andere verehrte Graf der Königin von Sachsen.


Hinweis des Webmasters: Sie finden unten eine email, die diese Angaben korrigiert: Nicht zur Hochzeit - diese war 1840 - sondern bereits 1838 erhielt sie von Conrad Graf als "Souvenir" an ihren Wien-Aufenthalt einen Flügel geschenkt. Doch zurück zu unserem Mann:


Conrad Graf
wurde am 17. November 1782 in Riedlingen geboren, wuchs als Halbwaise auf und erlernte das Schreinerhandwerk. 1798, beim Orgelumbau in der Stadtpfarrkirche, kam er  vermutlich erstmals näher mit einem Tasteninstrument in Berührung.

Der junge Geselle verließ die Donaustadt und  suchte sein Glück beim Militär. Als Freiwilliger in einem »Jäger- Freichor« gelangte er nach Wien in die Hauptstadt der österreichischen Vorlande, zu denen Riedlingen seit etwa 1300  gehörte.
Dorthin wenigstens mußte 1801 dem nunmehr 19-jährigen Graf Geld aus seinem Erbe geschickt werden, da er »während seiner Dienstzeit größtenteils von Kleidung gekommen« war«.
In Wien fand er als Instrumentenbauer Arbeit bei einem Landsmann und lernte dort, Klaviere herzustellen. 1804 heiratete C. Graf die Witwe seines Lehrmeisters und übernahm dessen Betrieb. 


Die Qualität seiner Hammerklaviere überzeugte. 1822 durfte er als Wiener Bürger in der Hauptstadt seinen Betrieb auf- und ausbauen und bereits zwei Jahre später den Titel »kaiserlich königlicher Hof-Pianoforte und Klaviermacher« führen. In alle Appartements der kaiserlichen Hofburg und in jene der Regentenfamilie lieferte Graf seine Klaviere.

Kein Wunder, daß auch die damals in Wien ansässigen oder konzertierenden Komponisten und Pianisten Kontakt zu ihm suchten. Beethoven, Clara und Robert Schumann, Liszt und Chopin wurden Grafs Kunden. Franz Liszt gastierte 1838 im Atelier des gebürtigen Riedlingers  gar mit einem Konzert. Unter den Zuhörerinnen saß auch Clara Wieck. Chopin schrieb an einen Freund: »Ich gehe jeden Tag zu Graf und spiele.«
Die Schwerhörigkeit Ludwig van Beethovens war an die führenden Klavierbauer der Zeit eine permanente Herausforderung, ihre Instrumente so zu »verstärken«, daß der Komponist seine Musik noch hören konnte. Graf stellte dem Genie ein Instrument zur Verfügung, holte es sich aber als echter Schwabe nach dem Tode des Künstlers wieder zurück. Es steht heute vielbestaunt im Beethovenhaus Bonn.
Und Clara Schumanns Graf-Klavier kann heute bei der »Gesellschaft der Musikfreunde
« in der Neuen Hofburg in Wien bewundert werden. 

Lange Jahre haben wir geglaubt, dass dieses Graf-Klavier auf der Rückseite des Hundert-Mark-Scheins abgebildet war. Da erhielten wir vor kurzem nachstehende email:


 

Hallo, bin gerade per Zufall auf den Text zu Clara Schumann und Conrad Graf gestoßen, der an sich zwar recht interessant ist, aber einen eklatanten Fehler enthält: Der auf der Rückseite des 100-DM-Scheins abgebildete Flügel stammt keineswegs von Conrad Graf, sondern von dem Wiener Klavierbauer Andreas Matthäus STEIN, um 1825 gebaut. Das originale Instrument ist im Robert-Schumann-Haus Zwickau zu bewundern. Hören kann man es auch auf CD-Aufnahmen.
Sie können es mir deshalb glauben, weil mein Vater bis vergangenen Sommer der Direktor des Robert-Schumann-Hauses war. Auf der Website dürfte es auch leicht zu überprüfen sein...
Im übrigen ist die Abbildung auf der Banknote nicht korrekt, da der Flügel mit 4 Pedalen abgebildet ist, das Instrument in Wahrheit nur 3 besitzt. Dies aber nur am Rande.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. J. M. N., Braunschweig




Das, gnädige Frau, ist ja interessant, aber - verzeihen Sie - nicht logisch. Wenn der Zwickauer Flügel nur 3 Pedale besitzt (was ich Ihnen glaube), muss der Flügel auf der Banknote - mit 4 Pedalen - doch wohl ein anderer sein, oder nicht?
Am Ende doch der von Conrad Graf?
Wissen tut's nur die Bundesbank, und die schweigt dazu...

Da erhielten wir eine zweite email, die weitere interessante Details enthält:



Sehr geehrter Herr Aßfalg,
Ihr Engagement für Riedlingen und Conrad Graf in allen Ehren - aber der Flügel auf dem 100-DM-Schein war nun einmal der von
A. M. Stein ca. 1825 gebaute, von Friedrich Wieck 1828 für seine Tochter gekaufte, auf dem sie im Oktober 1828 im Leipziger Gewandhaus debütierte und der sich heute im
Robert-Schumann-Haus Zwickau befindet. ...
Der Clara Wieck 1838 (und nicht zur Hochzeit [1840]!) von Conrad Graf als "Souvenir" an ihren Wien-Aufenthalt geschenkte Flügel, der später vorwiegend von Robert Schumann benutzt wurde und nach dessen Tode an Johannes Brahms überging, hat mit dem Stein-Flügel äußerlich gar keine Ähnlichkeit. Er ist in meiner Ausgabe der Schumann-Tagebücher, Bd. II, Leipzig 1987,
abgebildet, und ich habe ihn im Original in der Neuen Hofburg Wien gesehen.
Es wäre wünschenswert, den Hinweis auf den 100-DM-Schein im Zusammenhang mit Conrad Graf und dessen Instrumenten (die zweifellos eine gewisse Zeit lang  von Clara Wieck favorisiert wurden) zu tilgen, um nicht Verwirrung unter dem interessierten Musikpublikum zu stiften.
Dies empfiehlt Ihnen mit freundlichen Grüßen
Dr. phil. Gerd Nauhaus, Wissenschaftlicher Sekretär der  Robert-Schumann-Gesellschaft Zwickau e.V.


Lieber Besucher unserer Homepage und unserer Seite über Konrad Graf: Wir wollen Sie nicht verwirren, beileibe nicht!
Sondern wir wollen Ihnen von unserem Riedlingen und seinen Künstlern berichten.
Aber: wir empfehlen Ihnen - besuchen Sie das Robert-Schumann-Haus in Zwickau, und auch noch die Neue Hofburg in Wien.
Schauen Sie sich genau um und teilen Sie uns mit, wieviele Pedale die beiden Flügel haben.
Oder machen Sie gleich ein Foto - wenigstens von den Pedalen.
Vielleicht tragen dann Sie dazu bei, dass wir endlich erfahren, welcher Flügel auf unserem ehemaligen "Blauen", dem 100-DM-Schein abgebildet war.
Am Ende war es nur einer aus einem Bildarchiv des Kupferstechers. Aber auf alle Fälle: mit 4 Pedalen.
Wer weiß es - außer der Bundesbank? Und die schweigt noch immer.
Copyright © AUG 2006 Ekke Wall