Neuerwerb
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Graf-Porträt und Beethoven-Flöte
Es war im vergangenen Jahr, als zwischen Prof. Dr. Edward Swenson (USA), Dr. Rita Steblin (Kanada - Wien) und dem Museum Riedlingen wegen Franz Schubert in Bezug auf Conrad Graf (1782-1851) ein Schriftwechsel stattfand. Bei dieser Gelegenheit wies Dr. Steblin die Riedlinger daraufhin, dass ...
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...ein Antiquar in Österreich ein Graf-Porträt und eine Elfenbein-Alt-Blockflöte (Nikolaus Staub Nürnberg 1- Viertel 18. Jh.) mit der besonders interessanten Gravur "von Beethoven, geerbt Konrad Graf" besitze und eventuell verkaufe. Die rasch erfolgte Kontaktaufnahme ergab auch die Erwerbsmöglichkeit der Kostbarkeiten, die eine außerordentliche Vorstandssitzung des Altertumsvereins dann einstimmig ermöglichte. So hat Riedlingen, die Geburtsstadt des berühmten Klavierbauers Conrad Graf, nunmehr nicht nur den großartigen Hammerflügel aus dem Jahre 1823/1824 als Leihgabe der Sparkassenstiftung BC, sondern zwei Unikate zu einem Thema, mit dem Riedlingen in den internationalen Musikkreisen noch bekannter wird. Beide Objekte sind in der Städtischen Galerie dauerhaft ausgestellt.
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Franz Liszt am Klavier von Conrad Graf
Lithographie von Charles Crehen, Paris 1846
Als Franz Liszt am 12. April 1838 "in Anwesenheit von Clara Wieck, Carl Czerny und anderen Künstlern in Grafs Atelier" einige seiner Kompositionen spielte,...
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...berichtete die "Neue Zeitschrift für Musik": "In der That - er erschüttert unsere innerste Natur." Und Clara Wieck schrieb an ihren Verlobten Robert Schumann: "Als ich Liszt das erste Mal in Wien hörte, da konnte ich's nicht mehr aushalten, da habe ich (bei Graf war es) laut geschluchzt, so hatte es mich erschüttert." Spätestens da reifte in Conrad Graf, dem in Riedlingen 1782 geborenen genialen Klavierbauer in Wien wohl die Idee, solche Momente bildnerisch darstellen zu lassen. Er beauftragte damit den Wiener Maler Joseph Danhauser (1805-1845). Franz Liszt an einem Graf-Hammerflügel, umgeben von illustren Gästen. Weitere Informationen: http://en.wikipedia.org/wiki/Franz_Liszt.
Auch der Graphiker Josef Kriehuber (1800-1876) nahm sich dieses Themas an und schuf 1846 eine Lithographie gleichen Inhalts. Ein Glücksfall bescherte dem Museum Riedlingen, das als Leihgabe der "Stiftung BC-Kreissparkasse Biberach" über einen Graf-Hammerflügel opus 819 aus dem Jahre 1823/1824 verfügt, ein Blatt des Lithographen Charles Crehen (1829-1891) zu erwerben, das dieselbe Thematik wie bei Kriehuber zeigt, jedoch 1846 in Paris entstand. Prof. Ed Swenson (USA), der schon in Riedlingen weilte, gab den Tipp und war beim Kauf des Blattes bei einem Antiquitätenhändler in den USA behilflich.
Im Rahmen des 10. Riedlinger Galeriekonzertes wurde nunmehr das Blatt zum 200. Geburtsjahr von Franz Liszt und zur Ehre des berühmten Riedlingers Conrad Graf der Öffentlichkeit vorgestellt.
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"Grund- und Durchschnitsris [von] dem Hochfürstlien Schlossgebäu[de] zu Neufra" 1823
Ein Plan mit Geschichte
Das Renaissanceschloss mit den berühmten hängenden Gärten in Neufra, einem Stadtteil von Riedlingen, überragt das Donautal weithin sichtbar. Nur wenige wissen, dass dieser mächtige Komplex...
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...einst ein in sich geschlossener Gebäudekomplex mit Innenhof war. Was heute sicher nicht mehr möglich wäre, geschah 1866. Der damalige neue Besitzer, Fabrikant Ferdinand Gröber aus Stuttgart, ließ den südöstlichen Teil der Anlage abreissen. Darüber berichtet die vom Sohn Carl Gröber verfasste, unveröffentlichte Familienchronik. Der darin erwähnte Grundrissplan aus dem Jahre 1823 befand sich viele Jahre in Privatbesitz (ganz im hohen Norden) und wurde jetzt dem Museum Riedlingen geschenkt. Der Riedlinger "Zeichnungslehrer" Viktor Kögel malte zudem vor dem Abriss der einst sicher mächtigen Schlossanlage ein Bild, so dass die einstige Größe auch im Vergleich über das aktuelle Luftbild erkennbar wird.
In der Chronik heißt es:
Schon im Jahre 1865 hatte die fürstlich fürstenbergische Standesherrschaft das Schloßanwesen Neufra zum Verkauf ausgeschrieben und mein Vater [Fabrikant Ferdinand Gröber] mahm mich mit zu der im Schloßhof vorgenommenen Versteigerung. Zu einem endgültigen Verkauf des Schlosses kam es bei der Versteigerung nicht, das höchste Angebot meines Vaters mit 17000 Gulden wurde nicht bestätigt. Die Unterhandlungen mit Donaueschingen wurden aber von Seiten meines Vaters fortgesetzt und am 18. November 1866 kam der Kauf mit 23000 Gulden zum Abschluß und mein Vater war von da ab Besitzer des Schloßanwesens.
Die Veränderungen, die mein Vater bis zum Frühjahr 1867 vornahm, waren zum Teil sehr tief einschneidend und gaben dem ganzen Anwesen ein verändertes Aussehen. Das "Alte Schloß" wurde abgebrochen. Dieses bildete mit dem neuen Schloß den südöstlichen Flügel des Schloßkomplexes und so einen ganz abgeschlossenen Schloßhof von sehr bescheidener Größe und von dürftigem kaltem Charakter. Auch die verschiedenen, sehr unregelmäßigen Gelasse des alten Schlosses boten keine Verwand¬lungsmöglichkeit, und da ohnedies das Gebäude als teilweise baufällig erklärt wurde und die Wohnungen des neuen Schlosses durch den Abbruch sehr an Licht und Luft gewonnen, so war dies gerade kein Fehler. Beim Abreißen aber zeigte sich der alte Bau noch so solide, daß beinahe zum Sprengen der dicken Mauern Pioniere von Ulm herbeigezogen werden mußten. Im Ganzen verlor durch die Entfernung des alten Schlosses das ganze Bauwesen seinen massigen, burgähnlichen Charkater. Zwei von Zeichenlehrer Kögel aus Riedlingen kurz vor dem Niederreißen entstandene sehr gute Zeich¬nungen lassen dies deutlich erkennen, auch ein Lageplan und Bauplann des ganzen Häuserblocks aus dem fürstlichen Archiv ist noch in meinem Besitz.
Carl Gröber (1925)
Scharfrichter und Künstler
Vom Vater, dem Scharfrichter, zum Urenkel, dem Kunstmaler.
Das Museum besitzt nunmehr Werke von Josef und Ludwig Vollmar.
Situation der Scharfrichter in Vorderösterreich
Die Scharfrichter des vorderösterreichischen Donaustädtchens Riedlingens trugen seit Jahrhunderten den Namen Vollmar. Den Nachkommen von Scharfrichtern blieb auf Grund der Bestimmungen nichts anderes übrig, als ...
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... eine Scharfrichtertochter oder einen Scharfrichtersohn zu ehelichen. Kaiser Karl VI. (1711-1740), erließ am 14. August 1731 Folgendes: "Die Unehrlichkeit bei den Nachkommen des Schinders erlischt in der dritten Generation. Diese und alle ferneren sollen zu allen und jeden ehrlichen Handwerkern und Erwerbsarten zugelassen werden. Hat sich aber schon die erste Generation 30 Jahre lang in ehrlicher Profession bewährt, so kann schon die zweite in die obigen Rechte eintreten." Kaiserin Maria Theresia gab 1755 und 1772 Dekrete heraus, in denen die "Unehrlichkeit" für Vertreter genannter Berufsgruppen nur für die Dauer der Amtsausübung Gültigkeit hatte, die Familienmitglieder wurden generell für "ehrlich" erklärt und der Zugang zum Handwerk und die Heirat außerhalb der Scharfrichterfamilien allen ermöglicht.
Johann Friedrich Vollmar (1718 - 1804), Scharfrichter in Will (St. Gallen) und Riedlingen
Weil sein Vater gleichen Namens die Ballei Riedlingen nicht freigab, musste der Sohn als Scharfrichter in andere Dienste treten. Dies war das Kloster St. Gallen, der Wohnsitz war Wil. Dort kam der spätere Bildhauer Johann Friedrich 1751 zur Welt.
 
Johann Friedrich Vollmar (1751-1818), Bildhauer, Maler, Architekt und Stuckateur
Der spätere Bildhauer, Maler, Architekt und Stuckateur Johann Friedrich Vollmar lebte und wirkte in Riedlingen, wo ihm das Bürgerrecht erteilt wurde, wechselte dann in die vorderösterreichischen Waldstädte Laufenburg und dann Säckingen. Er entwickelte sich zum gefragten, "berühmten Bildhauer aus Riedlingen". Zahlreiche Werke seiner Kunst, seien es Altäre, Kanzeln, Reliefarbeiten, Fresken und Stuck zeugen bis heute von seiner künstlerischen Vielfalt. Vor allem in Wurmlingen (TUT), Stühlingen und Waldshut schuf er Gesamtkunstwerke in den dortigen Kirchen, die bis heute den stilgeschichtlichen Wandel vom Rokoko zum Frühklassizismus nachvollziehen lassen.
Er starb 1818 in Säckingen. Aus zwei Ehen hatte Vollmar 15 Kinder, die in drei verschiedenen Städten zur Welt kamen und von denen lediglich vier im Erwachsenenalter nachgewiesen werden können.
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Joseph Vollmar (1801-1870), Bürger, Maler und Zeichnungslehrer
In Vollmars Sohn Joseph setzte sich die Künstlertradition der Vollmar am Hochrhein fort. Vermutlich lernte er zunächst bei seinem Vater. "Dem Joseph Vollmar aus Säckingen im Großherzogtum Baden wird hiemit [1824] auf Verlangen in Wahrheit bezeugt, daß er sich mehrere Jahre bei seinem Onkel Bernhard Vollmar [in Riedlingen], Bildhauer, aufgehalten, um sich sowohl in dieser Kunst als in der Malerei zu perfektionieren; daß er eben deshalb durch drei Jahre die K.[önigliche] Akademie in München besucht und sich während der Zeit seines Hierseins immer sehr eingezogen, anständig und lobenswürdig betragen habe.
Josef Vollmar kehrte wohl 1828 nach Säckingen zurück. Er war dreimal verheiratet und hatte insgesamt zehn Kinder aus den beiden ersten Ehen. Neben seinem Beruf als Maler, Bildhauer, Altarbauer und Kupferstecher übte er auch zeitweilig den eines Stadtbaumeisters aus. Zudem war er der erste Zeichenlehrer an der 1863 gegründeten Bürgerschule Säckingens. Er starb am 8. Oktober 1870 in Säckingen.
Nach der Wende 1989/1990 kam das Bild "Elegie" mit den Türmen des Säckinger Fridolinmünsters im Hintergrund aus Prag in den Kunsthandel, wo es vom Altertumsverein 1851 e.V. erworben wurde. Josef Vollmar 1833.
Ludwig Vollmar (1842-1884), Maler in München
Von den zehn in Säckingen getauften Kindern Joseph Vollmars erreichten nur vier das Erwachsenenalter. Der Erstgeborene Josef Friedrich, mit den Rufnamen des Großvaters und Vaters ausgestattet, wurde ebenfalls Maler und Bildhauer, starb aber bereits mit 18 Jahren. Die anderen Söhne, der am 31.September 1831 geborene Viktor Vollmar wurde Maler und Bildhauer in Basel. Sein jüngerer Halbbruder, der am 7. Januar 1842 geborene Ludwig Vollmar wurde ebenfalls ein angesehener Maler und lebte in München, wo er, wie sein Vater an der Münchner Akademie studiert hatte. Mit Vorliebe malte er Szenen aus dem Schwarzwälder und oberbayerischen Volksleben. Ludwig Vollmar starb 1.März 1884 in München.
Feierabend - Mädchen mit Strickzeug. Der Altertumsverein 1851 e.V. erwarb das von Ludwig Vollmar um 1870 gemalte Bild bei einer Stuttgarter Auktion.
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Um der Verbindung Säckingen - Riedlingen über die Künstlerfamilien Vollmar gerecht zu werden, hat sich der Altertumsverein 1851 e.V. Riedlingen an der Beschaffung einer Gedenktafel für das Familiengrab Vollmar auf dem historischen städtischen Friedhof Bad Säckingen beteiligt.
(Quellen: http://riedlingen.org/publikationen.html)
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