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Museum "Schöne Stiege" Riedlingen
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Nächste Termine:

19. März 2019:
Einteilung der Aufsichten Saison 2019

30. März 2019:
Jahresausflug nach Salem-Unteruhldingen

31. März 2019:
Eröffnung der Wechselausstellung "Eingericht(et)"

08. April 2019:
Beginn des Vorverkaufs zum 25. Galeriekonzert

12. April 2019:
Vernissage "Heimat um den Bussen"

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Geschichten aus dem Museum

Museumsgeschichten zur Wechselausstellung "Bodenschätze aus dem Depot": Waffe oder Würdezeichen? - Extrem seltene Keulenform in der Ausstellung

LupeKeulen aus der Steinzeit und Bronzezeit
Sie gibt viele Rätsel auf, die Buckelkeule aus Eisen (?) und Bronze sowohl hinsichtlich des Alters wie auch der Herkunft. Sicher ist nur, dass der Gegenstand bei Bauarbeiten in einer Gemeinde bei Riedlingen gefunden wurde und bisher für die Gegend als einmaliger Fund zu bezeichnen ist. Diese Art einer Waffe oder eines Herrschaftssymbols kennt man aus der Türkei, aus Vorderasien, dem Kaukasus, Rumänien und dem östlichen Donauraum.

Keulen waren im 3. und 2. Jahrtausend vor Christus aus Stein gefertigt, zum Teil kunstvoll verziert, weshalb die Verwendung auch in der herrschaftlichen Funktion eines Zepters gesehen werden kann. In der späteren Bronzezeit (um 1000 v.Chr.) sind die Funde in genannten Gebieten auch aus Bronze, Eisen oder Kupfer hergestellt worden. Keulen können verschiedene Formen haben. Das hier vorhandene Exemplar ist birnenförmig, hat am Kopf- und Fußende einen kräftigen, einfachen Wulstrand. Der Knauf ist mit sechs unregelmäßig angeordneten, kreisförmigen Erhebungen ausgestattet. Die Keule ist hohl, so dass ein Stock hindurchgesteckt werden konnte bei Verwendung als Hieb- oder Angriffswaffe. Die Wissenschaft wird sich mit diesem seltenen Fundstück sicher noch beschäftigen müssen und das Alter bestimmen, vielleicht auch die Herkunft. Doch wer diese Keule in den Riedlinger Raums vor vielleicht 2600 Jahren brachte, wird wohl immer ein Geheimnis bleiben.

Ebenso geheimnisvoll ist die ebenfalls ausgestellt Rundkeule aus Feuerstein. Sie wurde vor Jahrzehnten in den berühmten Ofnethöhlen am Ipf gefunden und kam in die archäologische Sammlung des Altertumsvereins. Diese etwa 5 cm hohe. durchbohrte Keule ist nicht kugelrund, sondern weist eine spitzige Auswölbung auf, die eine Verwendung als Waffe vermuten lässt. Das Fundstück stammt aus der Mittelsteinzeit und ist also in einem Zeitraum zwischen 9000 und 5000 vor Christus entstanden.

Museumsgeschichten zur Wechselausstellung "Bodenschätze aus dem Depot": Alamannischer Frauenschmuck aus Neufra

LupeFunde aus Neufra
Unter den Nummern 63-66 im Findbuch des Altertumsvereins aus dem Jahre 1858 sind vier Fundstücke aufgeführt, die man in der Kiesgrube in Neufra ,,hinter dem ersten Haus", im heutigen Eschle, gefunden hatte. Sie stammten aus Reihengräbern, in denen weitere Objekte gehoben werden konnten, vor allem Waffen, also ein- und zweischneidige Schwerter.

Allerdings glaubten die Ausgräber damals, bei der Schmuckkette handele es sich um ,,celtische Perlen von Bernstein", was in neuerer Zeit nicht bestätigt werden konnte. Die Funde stammen aus der Alamannenzeit Ende 6. Anfang 7. Jahrhundert, sind also rund 1000 Jahre jünger. Die Perlen und Steine dieser Halskette, so schon im Findbuch 1853 festgehalten, stammen aus verschiedenen Epochen der Alamannenzeit. Das bedeutet, dass dem Schmuckstück immer neue Steine hinzugefügt wurden oder die Kette auch weitergegeben und ergänzt worden war. Glassteine, Bernstein und andere Materialien wurden verwendet, um ein sehr ansprechendes Gesamtbild zu erzielen. Reststeine wurden zu einem kleinen Armbändchen zusammengefügt. Bei den Schmucksteinen dieses Frauengrabes lagen auch zwei Ohrringe aus rundbogiger Bronze (Durchmesser ca. 4 cm) und ein Gürtelring (Durchmesser ca. 3 cm). Weiter wurde im Bereich des Skeletts eine lanzettförmige Pfeilspitze aus Eisen (Länge 7 cm) gefunden. Diese Kostbarkeiten sind derzeit im Museum ,,Schöne Stiege" ausgestellt.

Museumsgeschichten zur Wechselausstellung "Bodenschätze aus dem Depot": Trense und Steigbügel - Alamannische Grabbeigaben in Wilflingen

LupeReiterzubehör - Funde aus Wilflingen
Es ist erstaunlich, welche Schätze in der archäologischen Sammlung des Altertumsvereins erhalten blieben sind, weil diese damals noch nicht abgegeben werden mussten. 1887 wurde in Wilflingen ein Keller angelegt im Gewand ,,Weiheräcker". Dabei stieß man auf ein Grab, das seltene Funde aus der Zeit der Alamannen, also aus dem späten 6. bis frühen 7. Jahrhundert n.Chr. freigab. Sie füllen in der Wechselausstellung eine ganze Vitrine und zeugen von der Wohlhabenheit des einst dort Bestatteten.

Die wichtigsten Teile sind eine kostbare Knebeltrense, also ein Zaumzeug für ein Pferd. Die Bissstange ist aus Eisen, die Knebel waren damals üblicherweise aus Bronze gearbeitet. Das Wilflinger Beispiel stellt eine Sonderform dar mit Knebeln aus Horn. Bislang sind davon nur wenige Beispiele bekannt. Die Knebel wiesen an jedem Ende verzierte Bronzehülsen auf, von denen nur noch eine vorhanden ist. Hier sind am Hülsenansatz ins Horn zweireihig und versetzt eingetiefte Kreisaugen als Zierde festzustellen, was die Vergrößerung deutlich erkennen lässt. Diese Trensenform kam über die Langobarden aus dem byzantinisch-mediterranen Raum nach Süddeutschland, wie die Archäologen feststellen. Ebenso selten sind die beiden rund 16 cm hohen Steigbügel, die wie die Trensenform im byzantinischen Raum ihren Ursprung hatten. Eine Besonderheit stellen die in diesem Grab mehrfach gefundenen Beschläge dar, die mit Tauschierungen ausgestattet sind. Tauschierungen sind in Vertiefungen eingelegte Metallstreifen aus Silber, Gold oder anderen Edelmetallen. Vor allem Ende des sechsten, Anfang des siebten Jahrhunderts waren dies bei den Alamannen sehr beliebte Schmuckformen. Die Beschläge konnten entweder als Riemenzungen (Gürtelverstärkung) Verwendung finden oder sie gehörten, wie die Rollenschnalle aus Eisen, zum Sattelzeug. Viele weitere Kleinteile aus diesem Alamannengrab wie vergoldete Nietköpfe oder auch ein Sax (einschneidiges Hiebschwert) sind in der Ausstellung zu bestaunen.

Museumsgeschichten zur Wechselausstellung "Bodenschätze aus dem Depot":Totenschmuck der Alamannen

LupeGrabbeigaben bei Andelfingen
Die Wechselausstellung "Bodenschätze aus dem Depot" präsentierte Kostbarkeiten der lokalen Archäologie, die von den Mitgliedern des Altertumsvereins in guter vaterländischer Gesinnung zwischen 1851 und 1890 ausgegraben wurden. Eines der kostbaren Fundstücke ist das ca. 5 cm große Goldblattkreuz aus Andelfingen.

"Ein Kreuz von ächtem Gold ganz dünne gestempelt und scheint auf einem Kleidungsstück aufgenäht gewesen zu seyn" schreibt der Chronist im Tagebuch des Vereins und zeichnete auch den Fund originalgetreu nach. Das ist neben dem eigentlichen Fund eine der seltenen Kostbarkeiten früher archäologischer Grabungstätigkeit durch Laien, die von der heutigen Wissenschaft sehr hoch eingeschätzt wird. Goldblattkreuze werden nördlich der Alpen hauptsächlich im Raum der alamannischen Besiedelung zwischen dem späten 6. bis zum frühen 8. Jahrhundert nach Christus gefunden. Es handelt sich um hauchdünne, aus Goldblech ausgeschnittene, meist in griechischer, also gleichschenkliger Form gestaltete Kreuze, deren Fläche mit verschiedener Ornamentik gestaltet wurde. Die Bedeutung der Kreuzformen lässt auf frühes christliches Gedankengut schließen, auch wenn daraus nicht zwangsläufig die Benützer als Christen zu bezeichnen wären. Die kleinen Löcher an den Enden der Kreuzbalken weisen darauf hin, dass diese Grabbeigabe auf Stoff aufgenäht war. Tatsächlich wissen die Archäologen, dass man diese Grabbeigaben den Toten auf das Gesicht legte, weil sie meistens bei Öffnung der Gräber auf dem Schädel eines Toten gefunden wurden. Wohl auch deshalb blieben die Goldblattkreuze für antike Grabräuber häufig ein Tabu, weil sie sich davor fürchteten oder diese Totenruhe nicht stören wollten.

So konnte auch das Fundstück aus Andelfingen im Original bestaunt werden. Man weiß zudem, dass es im "Frühling 1852 bei Anlegung eines Feldweges gefunden zwischen Andelfingen und Langenenslingen gefunden wurde. Ein großes Scelet lag daneben und ein kleineres nicht weit davon, jedoch dieses ohne Waffen." Das große, fast einen Meter lange zweischneidige Schwert, eine sogenannte Spatha, war an der Parierstange mit Gold und Steinschmuck belegt.

Museumsgeschichten zur Wechselausstellung "Bodenschätze aus dem Depot": Heißt Alocchis Alois?

LupeRiemenzunge, Offingen
Die Wechselausstellung "Bodenschätze aus dem Depot" präsentierte Kostbarkeiten der lokalen Archäologie, die von den Mitgliedern des Altertumsvereins in guter vaterländischer Gesinnung zwischen 1851 und 1890 ausgegraben wurden. Ein absolut singuläres Fundstück ist die aus Bronze gearbeitete Riemenzunge aus dem 6./7. Jahrhundert nach Christus. Sie wurde im Dorf Offingen am Bussen bei Bauarbeiten 1859 gefunden.

Von dem knapp 12 cm langen Artefakt kennt die Archäologie kein vergleichbares Stück. Auf der einen Seite sind zwei exakt geformte Doppelkreise eingeritzt, deren innere Fläche in acht Segmente aufgeteilt ist. Zwischen den Kreisformen ist eine Art Flechtbandmuster eingelegt. Innerhalb der Kreisflächen befinden sich wiederum acht kleine Kreisformen, genauestens platziert. Von einem Kreis gehen drei Doppellinien ab, die wiederum jeweils miteinander verbunden sind und in einem Doppelbogenmuster einen feinstens gestalteten Kreis halten, der zur Hälfte hinter einem quer gelegten Schuppenmusterband liegt. Die nicht nur ornamental gestaltete Seite birgt das eigentliche Rätsel. Die in der Mitte gelegene, deutlich zu erkennende und gleichschenklige Kreuzform wird flankiert von einer dem Andelfinger Goldblattkreuz ähnlichen Form, kreisförmig umrahmt und der lateinisch geschriebenen Buchstabenfolge ALOCCHIS, eingefasst durch dreieckförmige Segmente. Das Besondere daran ist zunächst die Verwendung der klaren Buchstabenformen, was zu jener Zeit nicht unbedingt üblich war. Dann die Bedeutung der Buchstabenreihung, in der die Archäologin Ursula Laux in ihrer Arbeit über die Riedlinger Sammlung möglicherweise den Namen Alois deutet. Die beiden CC könnten der Ersatz für das fehlende W sein, wie der Name auch heute noch ausgesprochen wird: ,,Alowis." Seit römischer Zeit werden Gürtel mit einer Riemenzunge versehen. Diese erleichtert das Durchziehen des Riemens durch die Schlaufe. Solche Riemenzungen kommen ausschließlich in Gräbern der sozialen Oberschicht vor. Der Fund weist auf eine vornehme frühe Bussenbesiedlung hin.

Museumsgeschichten zur Wechselausstellung: Der Bildhauer Gabriel Lämmle wohnte in Riedlingen

LupeEine der ausgestellten 12 Kreuzwegstationsentwürfe in Terrakotta von Gabriel Lämmle
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(ag) Gabriel Lämmle wurde am 13. März 1851 in Laupheim geboren. Er studierte an der königlich bayerischen Kunstakademie in München. Nach seinem Studium der christlichen Plastik war er in Ravensburg als selbstständiger Bildhauer tätig. Dort heiratete er 1876 die aus Innsbruck stammende Schauspielerin Barbara Wackerle, die ihm zwischen 1877 und 1891 acht Kinder gebar. Einige davon wurden in Riedlingen geboren, denn von 1883 bis 1905 wohnte er mit seiner Familie in der Hindenburgstraße 47. Dort befand sich auch sein Atelier. Bis heute ziert eine Madonna die Hausfassade. Lämmle war 1888 an der Restaurierung von St. Georg beteiligt und lieferte auch den Ölberg ins Kapuzinerkloster. Leider wurde das Grabmal mit Pietà des Stadtschultheißen Mayer auf dem Riedlinger Friedhof, ein weiteres Kunstwerk des Bildhauers, vor einiger Zeit abgeräumt.

Seinen Wohnsitz verlegte Lämmle 1905 nach Herbertingen, wo er neben seiner bildhauerischen Tätigkeit die Bahnhofswirtschaft betrieb. Es mangelte an Aufträgen für Bildhauer und Altarbauer. Kirchenneu- und Umbauten gab es so gut wie nicht mehr. Lämmles letzter Wohnort war Neufra, wo er am 12. November 1925 starb.

Lämmle muss ein fröhlicher und lebenslustiger Mensch gewesen sein, wie die spärlich vorhandenen Quellen vermuten lassen. Es wird z.B. berichtet, dass er sich im jüdisch geführten Gasthaus Ochsen in Laupheim gerne aufhielt, ohne selber Jude zu sein, wenngleich der Name Lämmle in Laupheim auch von Juden getragen wurde. Er kritzelte ständig in seinem Skizzenblock und malte Gesichter der dort anwesenden Juden, die er dann in seinen Kreuzwegen realisierte. Als das bemerkt wurde, musste er allerdings unter Androhung von Gewalt das Gasthaus fluchtartig verlassen, schreibt Ernst Schäll in seiner Kurzbiographie über Gabriel Lämmle.

Lämmle hat dem Riedlinger Altertumsverein zahlreiche Bozetti (Entwurfsfiguren) hinterlassen, die in der aktuellen Wechselausstellung „Schätze aus dem Depot“ erstmals gezeigt werden. Werke von Lämmle befinden sich bis heute in Altheim (Martinus und Kreuzigungsgruppe im Außenbereich der Martinkirche), in der Bussenkirche der segnende Christus, der Kreuzweg in Dieterskirch, einige Figuren in Ertingen, der Kreuzweg in Mengen auf dem Friedhof, Figuren in Neufra und Oberwachingen, in Uigendorf und in Wilflingen, um einige Standorte zu nennen.

Museumsgeschichten zur Wechselausstellung: Des Goldschmieds Töchterlein

LupeGoldschmieds Töchterlein
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Der in Unlingen 1827 geborene und später in Rom und Baden Baden berühmt gewordene und geadelte Bildhauer Joseph von Kopf modellierte 1866 eine Mädchenstatue, "Goldschmieds Töchterlein" genannt. Nachdenklich steht das Mädchen, den Kopf gesenkt, und spielt mit dem Ring an der rechten Hand. Sie trägt eine enganliegende Haube und ein tailliertes Kleid, das über dem rechten Oberschnekel gerafft ist und so den Blick auf die Schuhe freigibt. Die Idee zu des "Goldschmieds Töchterlein" lieferte dem Künstler das 13 Verse lange Gedicht von Ludwig Uhland (1787-1862).

"Ein Goldschmied in der Bude stand
Bei Perl' und Edelstein.
Das beste Kleinod, das ich fand,
Das bist doch du, Helene,
Mein teures Töchterlein!"

Ein Ritter betritt die Werkstatt des Goldschmieds und gibt für seine Braut ein goldenes Kränzlein und einen Ring mit Diamanten in Auftrag. Zur Anprobe sollte des Goldschmieds Töchterlein schließlich Modell stehen und zum guten Schluss war sie es sogar, die der Ritter als Braut erwählt hatte.

"Des Goldschmieds Töchterlein ist gleichzeitig mein Portrait im Jahr 1866", schreibt Anna Kopf in einem Brief anlässlich der Schenkung der Figur an den Altertumsverein im Jahr 1903.
Zu sehen sind einige der seltenen Kunstwerke des Joseph von Kopf in der Wechselausstellung "Schätze aus dem Depot".

Museumsgeschichten zur Wechselausstellung: Manfred Rommel in Riedlingen

LupeDankschreiben von Manfred Rommel
(ag) Am 7. November starb Manfred Rommel im Alter von 84 Jahren. Der langjährige Stuttgarter Oberbürgermeister und Sohn des Generalfeldmarschalls Erwin Rommel hatte zu Riedlingen insofern eine besondere Beziehung, als hier seine Militärzeit1945 zwangsweise endete. In seinem Bestseller "Trotz allem heiter" schreibt er, wie er mit zwei Kameraden auf dem Heimweg zur seiner Mutter nach Herrlingen in Riedlingen Station machte.

"Wir kamen nach Riedlingen, schleppten uns todmüde über die Donaubrücke und wurden freundlich aufgenommen. In Riedlingen herrschte eine Stimmung, als ob der Krieg schon zu Ende wäre und als ob die NS-Regierung jede Macht verloren hätte. Den früher üblichen, aber bei klarem Kopf besehen unglaublich blöden Gruß "Heil Hitler" hörte man nicht mehr. Doch ein Pionierkommando des Heeres erschien und sprengte die Riedlinger Donaubrücke, um die Straße vor den Franzosen zu sperren. Der Offizier, der das Kommando befehligte, sagte, er hätte keine Lust, sich jetzt noch wegen Befehlsverweigerung aufhängen zu lassen. Deshalb habe er alle Befehle ausgeführt, und jetzt verschwinde er selber. Die dazu nützliche Ziviljacke hatte er schon im Rucksack… Die gesprengte Donaubrücke hielt natürlich die Franzosen nicht auf. Meine Anwesenheit in Riedlingen hatte sich herumgesprochen. Ich hatte verschiedenen Leuten, die mir vertrauenswürdig erschienen, erzählt, wie mein Vater gestorben war. Zunächst sprach mit mir ein Herr, der Freimaurer war und der sich als Mit-glied der Widerstandsbewegung bezeichnete, sowie ein deportierter Elsässer. Dieser protokollierte meine Aussagen. Ich zögerte bei dem Wort "Selbstmord", und zwar zu Recht, weil mein Vater sich nicht aus eigenem Entschluß getötet hatte, sondern dazu gezwungen worden war. Die Herren schlugen das Wort »Freitod« vor, das mir besser gefiel, obwohl es die Sache auch nicht traf. Ich bekam eine neue Brille und einen Anzug. Dann über¬nahm mich die französische Armee. Ich war Kriegsgefangener." Soweit ein Auszug aus Rommels Buch, Riedlingen betreffend.

Als Manfred Rommel dann 17jährig entlassen wurde, bedankte er sich auf zwei Zetteln für die freundliche Behandlung in Riedlingen. Diese Dokumente wurden vor einiger Zeit von Privat dem Altertumsverein überlassen. Sie werden derzeit in der Ausstellung "Schätze aus dem Depot" gezeigt.

Museumsgeschichten zur Wechselausstellung: Dolch aus dem 'Schwedenkrieg'

LupeDieser ca. 35 cm lange Dolch aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges ist Teil der Ausstellung
Vor einigen Jahren brachte ein Riedlinger Bürger der Museumsmannschaft einen grifflosen, ca. 35 cm langen Dolch, auf dessen Klinge eine Gravur zu lesen war. Eindeutig erkennbar sind die ersten drei Ziffern mit 162, die vierte Ziffer der vermuteten Jahreszahl könnte eine 3 oder 5 sein. Das Besondere an dieser historischen Waffe ist der Fundort auf der Gemarkung Dietelhofen, wo sie beim Ackern entdeckt wurde. Zur Zeit der Herstellung des Dolches wütete der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) auch in unserer Gegend, worüber in einem Brief an den Abt von Obermarchtal berichtet wird und in diesem Zusammenhang der heute noch geläufige Begriff "Schwedenhöhlen" auftaucht.

"Mit deß Herrn gruß vermeldt ich Euch gehorsambst und ehrfürchtig, dass der Schwedt mit vill mann vnd zwayhundert stuck pfert anruckt von Sulgen und Statt Biberach her, also hat ein reitend bott bericht von Uttenweiller vnd wöllen Euch vor schaden bewart han, weilen der Schwedt alle vnd jegliche hab mit raub, brannt oder totschlag nimbt. Also vermeldt ich hierfür, dass die gantz gemaint. Ich, der Clostermayer mit vnser hab unterschlupf und Dach suchen in den tobellöchern, so aller nottdurft genugsamblich herperg biten, Hievon vermdeldt ich Euch Hochehrwürdigem zu Eurem Nutz vnd Frommen laut befelch."

Museumsgeschichten zur Wechselausstellung: Das Mädchen vom Bussen

LupeBussenfigur aus dem 17. Jahrhundert
Der Bussen mit seiner Wallfahrtskirche und der Burgruine hat schon immer viele Menschen angezogen. Seit Jahrhunderten wallfahren Gläubige zur "Schmerhaften Mutter" in persönlichen Anliegen und auch im Wunsch der Frauen, ein Kind zu bekommen. Die bekannten "Bussakindle" taten das Übrige hierzu.

Der Bildhauer Joseph von Kopf aus Unlingen (1827-1903) schreibt schon in seinen Memoiren hierzu, dass seine Mutter mit ihm abends das Ave Maria gebetet habe. An der Stelle des Gebets "…und gebenedeit unter den Weibern…" habe er stets hinzugefügt, "die auf den Bussen gehen"!
Als Mitte des 19. Jahrhunderts seitens des Altertumsvereins Riedlingen der Wunsch laut wurde, den Turm der Bussenruine wieder begehbar zu machen, wollte der Verein gar ein Fernrohr stiften, um die Alpen besser sehen zu können. Zudem ließ er ein ausklappbares Alpenpanorama zeichnen, das als Unikat bei den Vereinsunterlagen verwahrt wird.
Im Zusammenhang mit Grabungsarbeiten im Fundamentbereich der Burg, die 1633 zerstört worden war, fand man im Schutt eine etwa zehn Zentimeter große "zerbrochene irdene Tonfigur", wie es im ersten Katalog der "Alterthümersammlung" 1886 heißt. Diese aus dem 17. Jahrhundert stammende Kostbarkeit ist vollplastisch modelliert, Haartracht und Kleidung aus der Renaissancezeit machen sie durchaus sehenswert. Ein frühes "Bussakindle" oder das Spielzeug der adeligen Töchter? Jedenfalls ist dieser Fund aus dem Depot wohl erstmals im Museum zu sehen und kann bestaunt werden.

Schätze aus dem Depot - von Riedlingen nach Madagaskar und zurück

LupeTitelblätter der beiden bibliophilen Raritäten, die 2001 aus Madagaskar nach Riedlingen zurückkehrten.
(ag) Ein gutes Gewissen ist ein gutes Ruhekissen. Wohl unter dieser Prämisse haben zwei Bücher im Jahre 2001 ihren Weg wieder nach Riedlingen gefunden. Die beiden Folianten aus dem 16. und 17. Jahrhundert hatte bisher niemand vermisst, weil deren Existenz nicht bekannt war. Umso überraschender war es, als das Auswärtige Amt in Berlin 2001 anfragte, ob in Riedlingen auf diese beiden Druckwerke Besitzanspruch erhoben werde. Sie tragen nämlich in den Eigentumsvermerken Hinweise auf Riedlingen.

Die Bücher besaß zuletzt der am 20.03.2000 auf Madagaskar verstorbene französische Staatsangehörige Guy Deremaix. Er wollte sie nach seinem Tode einer deutschen Bibliothek oder einem Museum zukommen lassen. Vorgesehen war die Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz "Unter den Linden" in Berlin, nicht aber Riedlingen.
Riedlingen konnte jedoch den Besitzanspruch nachweisen und so "reisten" die Bücher von Madagaskar über Paris nach Berlin, um dann in einem Paket schließlich in Riedlingen anzukommen. Die Frage ist jedoch, wie die Druckwerke überhaupt auf die Insel vor der Ostküste Afrikas kamen? Möglicherweise war der Erblasser nach dem II. Weltkrieg Besatzungssoldat in Riedlingen und hatte als "Bücherfreund" diese beiden Werke "sichergestellt". Man weiß er nicht. Weitere Recherchen führten zu keiner Erkenntnis.
Besonders kostbar ist die Gesetzessammlung des Reichskammergerichts von 1494 bis 1570. Der Foliant trägt auf dem Ledereinband als Supralibros das Wappen des Hans Christoph von Hornstein aus Grüningen. Er lebte von 1541 bis 1606 und war nach Studien der Rechtswissenschaft in Freiburg und Bourges als Assessor am Reichskammergericht tätig, an welches er 1569 von Kaiser Maximilian II. berufen wurde. Der Foliant wurde in Frankfurt 1572 gedruckt. Die Universitätsbibliothek Frankfurt hat keine Ausgabe dieses Buches. Lediglich die Bibliothek in Greifswald hat ein Exemplar davon und den 1604 erschienenen zweiten Teil.
Das Buch „Ars bene moriendi“ (Die Kunst, wohl zu sterben) aus dem Jahre 1673 gehörte dem Riedlinger Nachprediger Johann Michael Senft. Er ordnete es 1759 seiner Bibliothek ein. Inzwischen wurde die Diözesanverwaltung auf diesen Fund aufmerksam und hat die beiden Bücher „konfisziert“, also dem Museum abgenommen.

Glasfenster wieder aufgetaucht

LupeSchwäbische Zeitung Ausgabe Riedlingen vom 13. November 2012
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Albert Burkart (1898-1982) schuf sie 1948 für Riedlingen

von Moni Marcel
Sie hängen in einer winzigen Kapelle und im Haus St. Antonius Rottweil, dem ehemaligen Franziskanerkloster: acht herrliche Glasfenster des aus Riedlingen stammenden Künstlers Albert Burkart (1898-1982). Und sie waren ziemlich in Vergessenheit geraten.
Keiner wusste mehr, woher die Darstellungen stammten und wer sie gemacht hatte. Also hat sich Historiker Werner Kessl (Rottweil) auf die Suche gemacht, und ist fündig geworden: Die Bilder, die den Heiligen Franziskus und dessen Umfeld darstellen, stammen aus dem früheren Riedlinger Franziskanerkonvent. Dorthin nämlich waren die Rottweiler Franziskaner mit ihren Schülern während des Zweiten Weltkriegs gezogen, weil ihr Rottweiler Kloster von den Nazis zum Wehrbezirkskommando gemacht wurde. 1948 dann gaben die Franziskaner die Glastafeln in Auftrag, 1951 konnten sie wieder in ihr Rottweiler Haus zurück. Und sie nahmen auch die Bilder von Albert Burkart mit, die nach und nach in Vergessenheit gerieten. Beim Antoniusfest der stiftung st. franziskus heiligenbronn wurden nun auch die Burkart-Glasfenster wieder präsentiert, in Anwesenheit von Riedlingens Ehrenbürger und ehrenamtlichem Museumsleiter Winfried Aßfalg, der sich sehr intensiv mit Albert Burkarts Werk beschäftigt hat - Burkart selbst war ebenfalls Ehrenbürger von Riedlingen. An Aßfalg schickte Historiker Kessl Fotos der Glasfenster und dem Riedlinger Kollegen war gleich klar: Die können nur von Burkart sein. Burkart, einer der führenden Künstler der christlichen Kunst im 20. Jahrhundert, hat viele Kirchen mit Glasfenstern ausgestattet und hat den einst in allen katholischen Diözesen der Welt verbreiteten Katechismus mit abstrakten Malereien illustriert.
Inzwischen sind weitere verschollene Glasfenster "heimgekehrt". Mehr dazu erfahren Sie im Artikel der Schwäbischen Zeitung.

Riedlingen die 'Grafstadt'

LupeEnthüllung der Gedenktafel
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Lange Zeit war es ruhig um die musikgeschichtliche Bedeutung Riedlingens. Erst die Animation durch Dr. jur. Jörg - Dieter Hummel, Unternehmer und Mäzen aus Stuttgart, sich endlich mit dem "bedeutendsten Klavierbauer des frühen 19. Jahrhunderts" zu beschäftigen, rückte Riedlingen etwas mehr in den Mittelpunkt eines Geschehens, das die musikalische Welt kleiner werden lässt. Im Zentrum steht die Hammerflügelfabrikation des hier 1782 geborenen Conrad Graf, der in seiner Wiener Zeit bis 1841 mit seinen Instrumenten eine nahezu unerreichte Position einnahm.

Eine erste Aktion in dieser Richtung war die Anbringung der von Dr. Hummel gestifteten und dem Künstler Gerold Jäggle gestalteten Gedenktafel am Geburtshaus des Conrad Graf in der "Mühlvorstadt". Unter großer öffentlicher Anteilnahme wurde des Festakt vollzogen.

Altertumsverein beschenkt sich selbst

LupeGespräch über den Conrad-Graf-Flügel
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Zum 150. Bestehen des Vereins ein Konzert zum 150. Todestag des großen Klavierbauers Conrad Graf

Der Altertumsverein, in seiner Art der zweitälteste im Landesteil Württemberg, feierte 2001 sein Jubiläum mit einem Konzert auf einem Originalinstrument des Klavierbauers Conrad Graf an dessen 150. Todestag in der Taufkirche St. Georg in Riedlingen. Die Begeisterung war groß, die Suche nach einem Originalinstrument der weltweit noch etwa 100 vorhandenen Flügel schwierig. Es gelang dennoch, eines der wohl am schönsten klingenden Instrumente (1824 Opus 819) als Leihgabe der Pro-Arte-Stiftung der Kreissparkasse Biberach nach Riedlingen zu bekommen. Seither finden hier die Galeriekonzerte für etwa 80 Zuhörer statt.
Namhafte Künstler und Solisten wissen es zu schätzen, auf einem "Graf" spielen zu können. So zum Beispiel das 8. Galeriekonzert mit Michael Günther (Hammerflügel) und Gerhart Darmstadt (Arpeggione), bei dem die Bedeutung des Instruments wegen der Schubert'schen Komposition für Arpeggione und Hammerflügel, die zu Aufführung kam, deutlich wurde. So mag es wohl damals geklungen haben, als Schubert 1824 die Uraufführung in Wien selber am Flügel begleitete, war vielfach aus Zuhörerkreisen zu hören.

Das war auch die Meinung der beiden Solisten und des prominentesten Zuhörers, Prof. Eduard Swenson aus den USA, einem weltbekannten Restaurator für Graf'sche Hammerflügel. Er war begeistert von dem Klang des Riedlinger Instruments.

Hl. Katharina ziert Ausstellung

LupeHl. Katharina
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(ag) Es gibt noch Glücksfälle für kleine Museen: Eine rund 600 Jahre alte Figur wurde dem Museum in die Städtische Galerie im Spital zum Hl. Geist als Dauerleihgabe aus Privatbesitz übergeben. Nach einer grundlegenden Restaurierung durch Willi Mayer in Langenenslingen kann die hl. Katharina nunmehr bestaunt werden.

Diese Figur schreibt eine Geschichte, die nirgendwo geschrieben steht, aber durchaus so gewesen sein könnte.
Als in Egelfingen auf der Schwäbischen Alb 1405 eine Kapelle mit dem Weihetitel „Unser lieben Frau“ gebaut wurde, darf man davon ausgehen, dass auch ein Marienbildnis das Innere der Kapelle zierte.
Üblicherweise war eine Muttergottes dargestellt, die das Jesuskind auf dem rechten oder linken Arm trug. Das lässt sich am Hüftschwung feststellen, der als „Stützhilfe“ entsprechend ausgearbeitet wurde.
1535 wurde die Kapelle der hl. Katharina geweiht, so dass möglicherweise die Maria mit Kind aus Sparsamkeit einfach umgearbeitet wurde zur neuen Weihepatronin. Das Jesuskind wurde einfach weggenommen.
Die strenge, fast statische Körperform und das ernste Gesicht weisen aber durchaus in die späte Romanik, in die Zeit der ersten Kapellennennung, wogegen die Gewandfältelung und die Krone auf dem Haupt spätere Zutaten aus dem ersten Drittel des 16. Jahrhunderts sein dürften. Wohl noch später kamen die heute vorhandenen Attribute Märtyrerpalme, Folterrad und Schwert hinzu.
Die Figur wurde auf den kleinen Sockel gestellt, um die Beschriftung anbringen zu können. Wahrscheinlich überlebte die Skulptur den Einzug in die 1747 neu erbaute Pfarrkirche nicht und wurde an Privat weitergegeben.
Jahrzehntelang zierte sie dann in Egelfingen als Nischenfigur eine Hausfront, bis sie aus Witterungsgründen in Sicherheit gebracht wurde. Der beste Platz ist in einem Museum, beschloss die Eigentümerfamilie Rolf Neuburger und informierte die Riedlinger Museumsmannschaft. Natürlich bestand großes Interesse an dem Kunstwerk.

So zeigt sich nunmehr die kostbare Skulptur mit den Resten der Originalfassung und den angeglichenen Retuschen als das derzeit älteste Werk in der Riedlinger Städtischen Galerie zum Hl. Geist.

Heiligenfigur als Geschenk

LupeHeiligenfigur aus der Zeit um 1780
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(ag) Das passiert einem Museum nicht alle Tage, eine wertvolle Figur aus der Spätphase des 18. Jahrhunderts geschenkt zu bekommen. Riedlingen hatte das Glück und konnte das restaurierte Kunstwerk neulich anlässlich des Konzerts in der Galerie der Öffentlichkeit präsentieren.

Es war vergangenen Herbst, als der Museumsleitung eine Heiligenfigur gezeigt wurde mit der Möglichkeit, diese als Geschenk hier zu lassen. Dem Vernehmen nach soll sie aus dem Raum Riedlingen stammen, gehörte aber einem Arzt aus Singen/Hohentwiel. Nachdem klar war, dass diese Figur dem Museum überlassen wird, setzte auch das Forschen ein. Dem Heiligen fehlt jegliches Attribut, was eine Bestimmung immer sehr erschwert. Allerdings weisen die Ordenstracht mit Mozetta (Schulterumhang) und Skapulier (Textilband, auf der Vorderseite sichtbar), Kapuze und der wallende Bart auf einen Ordensheiligen hin, der nach Stellung der Finger seiner rechten Hand auch noch ein Attribut mitgeführt haben muss, einen Stab, ein Kruzifix oder auch den Palmzweig eines Märtyrers. Unter diesen Gesichtspunkten könnte der Kapuzinerheilige Fidelis von Sigmaringen dargestellt sein, der in unserer Gegend sehr verehrt wurde und wird und dem im Riedlinger Kapuzinerkloster damals, im 18. Jahrhundert, zur Seligsprechung eine eingene Kapelle angebaut und geweiht wurde. Die Figur ist in die Zeit um 1780 zu datieren. Als lokaler Künstler kommt Johann Friedrich Vollmar (1752-1818) in Frage. Vollmar hatte von 1774 bis 1777 für das Kloster St. Gallen gearbeitet, ehe er nach Riedlingen zog. Von hier aus bekam er verschiedene Aufträge, so den leider verloren gegangenen Altar der Katharinenkapelle beim Siechenhaus in Riedlingen und auch die Ausstattung der Pfarrkirche St. Gallus in Wurmlingen/Tuttlingen. Der Zustand der Fassung war schlecht, eine Restaurierung dringend erforderlich. Sie erfolgte durch Willi Mayer aus Langenenslingen.

Exclusiv für die Schöne Stiege: Messerbänkchen des Expressionismus

LupeEthelred Sturm bei der Nacharbeit seines gegossenen Messerbänckchens.
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(mr) Messerbänkchen sind eigentlich aus der Mode gekommen und gehören dennoch zum elegant gedeckten Tisch. Sie ermöglichen die Ablage des Bestecks, ohne dass das Tischtuch Flecken abbekommt. Zudem sind sie eine Zierde für jeden festlich gedeckten Tisch, vor allem dann, wenn die Bänkchen Münchner-Riedlinger Tierformen zeigen.

Zugegeben, für viele Menschen ist es altmodisch, solche Ablegehilfen auf dem Tisch zu haben und die Idee stammt auch aus einer Zeit, in der es mühsam war, die großen Leinentischtücher zu waschen und zu stärken. Damals war die Hausfrau bestrebt, diese ein zweites oder drittes Mal benützen zu können. Dennoch zieren heute mehr und mehr klassische Messerbänkchen als Tischdekoration die Tafel.

Die Zinngießerei Sturm in Riedlingen besitzt exklusive Formen, die Ethelred Sturm auch für das Riedlinger Museum „Schöne Stiege“ gießt. Leider starb Ethelred Sturm 2011. Eine lange Tradition ging damit ohne Nachfolge zu Ende.

Diese Produkte, es gibt zwölf verschiedene Formen, haben eine interessante Geschichte. Es war 1922, als L. Eickemayer, Professor an den Münchner Lehrwerkstätten, für Felix Sturm ein Sortiment entwarf. Die abstrahiert gestalteten und sehr originellen Tierfiguren können als Kunstwerke des Expressionismus bezeichnet werden. An den Münchner Lehrwerkstätten, 1902 in München als Ausbildungsstätte für Künstler und Kunsthandwerker gegründet, lehrte z.B. Professor Carl Caspar und Ernst Ludwig Kirchner war dort Schüler. Aus dieser Tradition heraus gesehen haben die Modelle und auch die fertigen Produkte ihren festen Platz in der Kunstgeschichte des frühen 20. Jahrhunderts.

Hunde, Schafe, Ziegen- oder Steinböcke, Luchse und Füchse bieten mit ihren lang gezogenen Rücken den Platz für Messer, Gabel oder Löffel. Jedes Bänkchen ist einzeln aus Zinn gegossen und muss dann noch mühsam nachgearbeitet werden, bis es die saubere Eleganz für einen schön gedeckten Tisch aufweist. Sturm ist einer der letzten Kunstzinngießer in Württemberg.
Diese kleinen Kunstwerke sind im Museum „Schöne Stiege“ zu bestaunen und zu erwerben.
Ein ganzes Sortiment dieser Bänkchen hat sogar schon den Weg nach Japan gefunden und ist dort begeistert aufgenommen worden.

Riedlinger kehren aus Paris zurück in die Heimat

LupeFoto v.l.: Carole Missmahl, Museumsleiter Winfried Aßfalg und Dr. Martin Missmahl (Paris) bei der Übergabe der vier Portraits aus Familienbesitz. Foto: Waltraud Wolf
Dr. Martin Missmahl, ein Nachfahre der Riedlinger Geschlechter Mennet Mederle Missmahl, reiste 2006 von Paris in die Donaustadt. Im Gepäck hatte er vier Ahnenbilder für das Museum „Schöne Stiege“. Das Museum hatte er bei einer Führung anlässlich eines Familientreffens 2004 kennen und schätzen gelernt. Dabei kam bei ihm der Entschluss zustande, seine Vorfahren sollten dort einen dauerhaften Platz finden, wo sie auch gelebt haben. So werde Familiengeschichte lebendig bleiben. Museumsleiter Aßfalg meinte: „Diese Schenkung ist von unglaublicher Bedeutung für uns." „Die Ahnen sind mit der Schenkung einverstanden“, meinte Dr. Missmahl mit einem Lächeln und übergab mit seiner Gattin Carole die Vorfahren aus dem 18. und 19. Jahrhundert: den Posthalter Johann Nepomuk Mennet und seine Ehefrau Maria Anna Theresia Eurosia Werner, Tochter des damaligen Stadtschultheißen und Traubenwirts Johann Joseph (große Bilder) und deren Sohn Fortunat Mennet, Posthalter auf dem Marktplatz (heutige KSK), der mit der „schönen Nannette“ vom Gasthaus Kreuz verheiratet war (kleine Bilder).

Foto v.l.: Carole Missmahl, Museumsleiter Winfried Aßfalg und Dr. Martin Missmahl (Paris) bei der Übergabe der vier Portraits aus Familienbesitz. Foto: Waltraud Wolf


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