Archäologen präsentieren neue Erkenntnisse zur frühkeltischen Grabkammer und zeigen spannende Funde. Welche Fragen die Forscher nun beschäftigen.
RIEDLINGEN – Die Entdeckung der Riedlinger Grabkammer im vergangenen Jahr stieß auch in der Bevölkerung auf großes Interesse. Dass die Neugier ungebrochen ist, zeigte ein Vortrag des Landesamts für Denkmalpflege in dem nahegelegenen Aula des Kreisgymnasiums. Rund 350 Besucher kamen zur Präsentation der Archäologen Dirk Krausse und Roberto Tarpini, um sich über die neuesten Grabungsergebnisse zu informieren. Eingeladen hatten der Altertumsverein und die Volkshochschule Riedlingen.

In der 2024 entdeckten Riedlinger Grabkammer haben Archäologen außergewöhnliche Funde gemacht. Foto: Markus Falk
Zur Forschungsgeschichte: Entdeckt wurde die frühkeltische Grabkammer 2024 auf dem Galgenberg zwischen Riedlingen, Altheim und Plummen. Sie lag im Zentrum eines riesigen Grabhügels, der einen Durchmesser von 65 Metern besitzt und heute noch knapp zwei Meter hoch ist. Solche Hügel errichteten die Kelten Südwestdeutschlands in der Zeit zwischen 620 und 450 v. Chr. für besonders hochstehende Persönlichkeiten.
Schnell war klar, dass es sich wegen des guten Zustands der Grabkammer um eine archäologische Sensation handelte. Mithilfe der sogenannten Banngrundchronologie konnte ermittelt werden, dass sie im Jahr 584 v. Chr. errichtet wurde. Gleichzeitig stellten die Archäologen jedoch fest, dass die Grabkammer bereits beraubt worden war. Der aktuelle Stand: Ob in dem Grab ein Mann oder eine Frau bestattet wurde, konnte man zu Beginn der Entdeckung noch nicht sagen. Nun wissen die Forscher, dass sie wild vermischte menschliche Überreste aus Ober- und Unterschenkelknochen eines mindestens 15- bis 20-jährigen Mannes geborgen haben. Vermutlich stammten die Knochen von einem jungen Mann, der möglicherweise sehr edel beigesetzt war. Bei den Knochen fanden die Forscher auch eine Bärenklaue sowie Reste eines Bärenfells, auf dem sie vermutlich lagen.
Neben den Knochen förderte die Grabkammer noch bemerkenswerte Funde zutage. So wurden Holzfragmente mit geometrischer Verzierung gefunden sowie große Holzteile, die eventuell von Wagen oder Möbelteilen stammen. Trotz der Plünderung ließen die Grabbeigaben wie Ringe, Riemenzüge und eiserne Nägel zurück, die zu einem Pferdegeschirr gehört haben dürften. Alles deute auf eine Prunkbestattung hin, erklärte Tarpini. Denn auch Teile von Rädern und Radspeichen habe man gefunden.
Die sensationellen Holzreste gewähren den Forschern auch Einblicke in die frühkeltische Zimmerei. Vier nahezu vollständig erhaltene Pfähle an den Ecken der vier Meter langen, drei Meter breiten und einen Meter hohen Grabkammer erstrecken sich vom Boden bis zur Decke. Die Forscher vermuten, dass sie eine Konstruktionshilfe waren.
Eine Seltenheit im südwestdeutschen Raum ist der Fund eines Birkenrindestreifens, auf dem ein Hirsch dargestellt ist. Auch ein weiteres Pferd oder ein Wagen ist zu erkennen. Erst in der vergangenen Woche gelang dann die Entdeckung: Eine 80 auf 50 Zentimeter messende Grabplatte, die ebenso aus dem Etruskerreich stammt, sagte Tarpini.

Die Archäologen Roberto Tarpini (l.) und Dirk Krausse stellen dem Publikum die neuesten Ergebnisse ihrer Forschung vor. Foto: Waltraud Wolf
„So etwas kennt man eigentlich nur aus dem Etruskischen“, so Archäologe Roberto Tarpini.
Auch zu den Grabräubern gibt es nun interessante Erkenntnisse: Die Forscher haben herausgefunden, dass sie über zwei Raubschächte zum Grab vorgedrungen sind. Dabei haben sie alles für sie Interessante aus der Grabkammer zurückgelassen oder zuvor mitgenommen. Genommene Gegenstände wurden wieder in den Schacht zurückgeworfen. „Auf eine Art könnten wir sogar froh sein, dass die Funde aus der Grabkammer herausgezogen sind“, sagte Dirk Krausse. Denn im Schacht fand sich deutlich weniger Sauerstoff als in der Grabkammer selbst, wo die Funde wohl selbst verrottet wären.
Klar ist nun auch, dass der Grabraub knapp zwei Jahrzehnte nach der Bestattung des jungen Mannes stattfand. Warum das Grab nicht geschützt werden konnte und ob die Plünderung eine Nacht- und Nebelaktion war, wissen die Forscher noch nicht. Aufgrund der Art, wie das Grab geplündert wurde, gehen manche davon aus, dass es im Rahmen eines Raubzugs geschah, erklärte Krausse.
Nach weiteren Untersuchungen soll die Riedlinger Grabkammer der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. 2027 ist geplant, sie auf der Heuneburg auszustellen.
Der Bericht statt von Markus Falk und ist am 24. November 2025 in der Schwäbischen Zeitung erschienen.





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