Startseite, Wechselausstellung im Museum

Die Innenstadt vor rund 70 Jahren

Unter den Begriffen „Museum“ und „Altertumsverein“ stellt man sich landläufig Einrichtungen vor, die sich mit weit zurückliegender Geschichte beschäftigen. Seit wann gibt es die Stadt Riedlingen? Wie lebten die Menschen im Mittelalter und welche Einflüsse hatte die Industrialisierung auf die Stadt? Doch auch das 20. Jahrhundert in Riedlingen hat Geschichte geschrieben und so hat sich der Altertumsverein entschlossen, in einer neuen Wechselausstellung im kommenden Jahr die 50er-Jahre zu zeigen.

Enorme Veränderungen

Einen ganz kleinen Vorgeschmack darauf gab es schon im September bei drei Stadtführungen, die Hilde Teschner für den Frauenbund ausgearbeitet und durchgeführt hatte. Diese sind auf hohe Resonanz gestoßen, vor allem bei denjenigen, die die 50er-Jahre in Riedlingen erlebt haben. Dieses Jahrzehnt ist es wert, in den Focus gerückt zu werden, denn kurz nach Kriegsende ist es zu enormen Veränderungen gekommen. Es ist auch deshalb wichtig, sich zeitnah mit dieser Epoche zu befassen, weil es nicht mehr viele Zeitzeugen gibt, die davon erzählen können. Die „Kinder“ der 50er-Jahre sind heute in der Regel schon im Ruhestand und deren Erinnerungen fallen auch hin und wieder ganz unterschiedlich aus. Das Team des Altertumsvereins ist dabei, sehr genaue und umfangreiche Recherchen durchführen, um herauszufinden, wie und was in Riedlingen in den 50er-Jahren war. Dabei zeigte sich auch, dass das Thema sehr komplex ist und dass man Schwerpunkte setzen muss. So hat man sich auf die Riedlinger Innenstadt beschränkt, genauer gesagt mit den Gebäuden rund um den „Stock“. Jeder, der schon länger in Riedlingen lebt, weiß, was damit gemeint ist: vom Marktplatz zum Weibermarkt, durch die Donaustraße und die Haldenstraße hinauf zurück zum Marktplatz. Hier hat sich enorm viel verändert in den vergangenen 70 Jahren; die Zahl der Ladengeschäfte hat abgenommen und bedingt durch den Strukturwandel stehen heute viele Geschäfte leer. Vor 70 Jahren war Riedlingen noch eine Einkaufsstadt mit einem vielfältigen Sortiment.

Neues und Unbekanntes

In der Ausstellung werden die Besucher in Gedanken eine „Stockrunde“ drehen können und dabei viel Neues und Unbekanntes erfahren, aber auch Erinnerungen wach werden lassen. Durch Gespräche und Archivarbeit – Stefanie Hafner vom Stadtarchiv wühlte sich für den Verein durch Dokumente aus der Zeit und stellte alles zur Verfügung – nimmt die Ausstellung Konturen an. Eine sehr hilfreiche Quelle ist hier auch die Schwäbische Zeitung, denn die Geschäftsleute haben Werbeanzeigen geschaltet und diese geben den Organisatoren wertvolle Einblicke.

Rückblick auf die 50er Jahre: Dr. Christa Enderle zeigt Exponate aus der Zeit. (Foto: Kniele)

Damit die Ausstellung nicht nur aus Dokumenten besteht, ist der Altertumsverein auf der Suche nach Exponaten aus den 50er Jahren, welche die Ausstellung bereichern sollen. Der Verein sammelt momentan Gebrauchsgegenstände aller Art und hortet und sortiert diese. Gefragt sind auch Dinge wie Geschirr, Schmuck und Mode(accessoires), die in den 50er-Jahren verkauft bzw. gekauft worden sind. Aber auch alte Fotos aus der Zeit sind hilfreich und natürlich Zeitzeugen, die erzählen können, sei es, was sie gearbeitet, wie sie eingekauft und wie viel Geld sie ausgegeben haben. Was hat ein Liter Milch damals gekostet? Wieviel musste man für einen Schweinebraten bezahlen? Hat man die Wäsche außer Haus gegeben und wo wurde diese gekauft? Welche Elektrogeräte gab es in einem Haushalt der 50er-Jahre? Mit Sicherheit gibt es viele Sammler unter den Lesern der Schwäbischen, die sich auf der Bühne und im Keller gerne auf die Suche machen und gerne in ihren Erinnerungen kramen.

Dr. Christa Enderle, die dem Altertumsverein vorsitzt, freut sich gemeinsam mit ihrem Team über viele Rückmeldungen und nimmt diese gerne persönlich, telefonisch (07371/12462) oder elektronisch (dr.christa.enderle@gmx.de) entgegen.

Dieser Artikel erschien am 29. Oktober auch in der Schwäbischen Zeitung.

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