Museumsgeschichten

Trense und Steigbügel – Alamannische Grabbeigaben in Wilflingen

Es ist erstaunlich, welche Schätze in der archäologischen Sammlung des Altertumsvereins erhalten blieben sind, weil diese damals noch nicht abgegeben werden mussten. 1887 wurde in Wilflingen ein Keller angelegt im Gewand ,,Weiheräcker”. Dabei stieß man auf ein Grab, das seltene Funde aus der Zeit der Alamannen, also aus dem späten 6. bis frühen 7. Jahrhundert n.Chr. freigab. Sie füllen in der Wechselausstellung eine ganze Vitrine und zeugen von der Wohlhabenheit des einst dort Bestatteten.

Reiterzubehör – Funde aus Wilflingen

Die wichtigsten Teile sind eine kostbare Knebeltrense, also ein Zaumzeug für ein Pferd. Die Bissstange ist aus Eisen, die Knebel waren damals üblicherweise aus Bronze gearbeitet. Das Wilflinger Beispiel stellt eine Sonderform dar mit Knebeln aus Horn. Bislang sind davon nur wenige Beispiele bekannt. Die Knebel wiesen an jedem Ende verzierte Bronzehülsen auf, von denen nur noch eine vorhanden ist. Hier sind am Hülsenansatz ins Horn zweireihig und versetzt eingetiefte Kreisaugen als Zierde festzustellen, was die Vergrößerung deutlich erkennen lässt. Diese Trensenform kam über die Langobarden aus dem byzantinisch-mediterranen Raum nach Süddeutschland, wie die Archäologen feststellen. Ebenso selten sind die beiden rund 16 cm hohen Steigbügel, die wie die Trensenform im byzantinischen Raum ihren Ursprung hatten. Eine Besonderheit stellen die in diesem Grab mehrfach gefundenen Beschläge dar, die mit Tauschierungen ausgestattet sind. Tauschierungen sind in Vertiefungen eingelegte Metallstreifen aus Silber, Gold oder anderen Edelmetallen. Vor allem Ende des sechsten, Anfang des siebten Jahrhunderts waren dies bei den Alamannen sehr beliebte Schmuckformen. Die Beschläge konnten entweder als Riemenzungen (Gürtelverstärkung) Verwendung finden oder sie gehörten, wie die Rollenschnalle aus Eisen, zum Sattelzeug. Viele weitere Kleinteile aus diesem Alamannengrab wie vergoldete Nietköpfe oder auch ein Sax (einschneidiges Hiebschwert) sind in der Ausstellung zu bestaunen.

Kommentar verfassen